moderne höhlenmalerei

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images rupestres
moderne höhlenmalerei

sie sind zu entdecken und lassen sich lesen wie zeichen an der wand. wer ihren code durchschaut, erkennt in den geritzten bildern kurze satzfragmente:

„beeren sammeln“, „mammut erlegen“, „feuer zuenden“.

die verschlüsselten schriftzüge offenbaren bilder. sie weisen auf die ära der jäger und sammler, auf das leben in der altsteinzeit. die tafeln wirken wie ein wink auf die anfänge der kunst: die höhlenmalerei. „ich möchte damit assoziationen zu frühgeschichtlicher mitteilungsform wecken“, bestätigt franz betz. das einritzen von zeichen und bildern sei eine denkbar urtümliche technik, die er mit modernen darstellungsmitteln aufgreife.

grundlage der „images rupestres“ sind aluminium-verbundplatten. nach den vorgaben einer digitalen schablone werden darauf die schriftzüge maschinell eingeritzt. der computer gesteuerten übertragungstechnik folgen dann „weitere schritte von hand“, wie franz betz erklärt.

die geritzten spuren setzt franz betz in mehreren lagen farbig ab. dabei bezieht er sich auf die ersten wandmalgrundstoffe der kunstgeschichte, nämlich kohle oder blut. schwarz erwies sich jedoch nach ersten versuchen als ungeeignet, weil darauf im lichtspiel der oberfläche keine schattierungen entstehen. rote acrylfarbe hingegen erzielt die erwünschte wirkung.

die tafeln bearbeitet der künstler schließlich mit grobem schleifwerkzeug, um „der fläche ein gesicht zu geben“. die „images rupestres“ sind für franz betz eine fortsetzung seiner auseinandersetzung mit dem thema oberflächen und texturen. er spielt mit formen, schafft neuen strukturen und verweist dabei auf die besondere ästhetik von arbeitsspuren. dieser besondere reiz zeichnet auch seine holzskulpturen von den stelen und „köpfen“ bis zu „red shoes“ und „grüngras“ aus.

die schriftzeichen selbst beruhen auf den „lines“. jenen skizzenhaften buchstabencode hatte franz betz bereits 1999 mit spontanem schwung entworfen, um die formen des alphabets von „a“ bis „z“ neu zu erfinden. zuletzt hatte der künstler die „lines“ in seinen lichtskulpturen und „plotworks“ aufgegriffen.

die räumlichen abstände der geritzten buchstaben variieren. franz betz betreibt damit ein bildhaftes assoziatives spiel. die „b ee r en“ etwa wachsen im wald verstreut, während dem „ma mm ut“ die zwei mittleren buchstaben wie stoßzähne aus dem antlitz ragen. die ersten „images rupestres“ sind auf 150 x 50 cm großen tafeln entstanden, doch franz betz will sich nicht zwingend auf diese ausmaße beschränken: „das sind skalierbare kunstwerke.“

den drei bisher entstandenen tafeln werden weitere folgen. geplant sind insgesamt zwanzig einzelwerke mit schriftzügen wie „faehrte lesen“, „wasser schoepfen“ oder „schmerz lindern“. aus ihnen entwickelt sich dann ein gesamtbild. „die serie soll eine geschichte erzählen“, so franz betz. über das derart beschriebene leben der vorfahren könne man sich auch der eigenen existentiellen bedürfnisse bewusst werden. „was ist der kern“, wirft franz betz auf, „was treibt uns an?“

hannover, 2007

text: mark preisegger
fotos: frîa hagen

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1 Gedanke zu “moderne höhlenmalerei”

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